Die Schlacht von Azincourt 1415

Am 25. Oktober 1415 trafen bei Azincourt die Englischen und Französischen Heere aufeinander. Ein Englischer Nationalmythos wird geboren.

Die Belagerung Harfleurs im Jahr 1415 hatte Heinrich V. mehr gekostet als ihm lieb war. Etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Stärke war bei der Belagerung gestorben oder siechte krank dahin. Zudem verschlechterte sich das Wetter mit dem eintreffenden Herbst. Heinrich beschloss sich zurück zu ziehen. Die Gefangenen wurden unter Bewachung mit den schweren Belagerungsgeschützen über den Seeweg direkt nach England gebracht, während Heinrich mit den verbliebenen Kämpfern nach Calais zog. Ausgehungert und von Krankheit geschwächt marschierte das Heer durch den Norden Frankreichs, immer darauf bedacht dem nahenden französischen Heer auszuweichen. Am Abend des 24. Oktober 1415 wurde Heinrich V. gewahr, dass die französischen Truppen ihm den Weg abgeschnitten und sich zu Schlacht aufgestellt hatten.

Die Heere nehmen Aufstellung

Auf einem von Wald umgebenen Feld zwischen den Dörfern Azincourt und Tramecourt, etwa tausend Meter voneinander entfernt, stellten sich die Truppen auf. Die Engländer wurden von ihrem König Heinrich befehligt. Die Befehlskette hatte damit eine Spitze, von der aus ohne Diskussion Befehle ausgegeben werden konnten. Bei den französischen Truppen dagegen schien diese Befehlskette desolat, de facto so gar nicht gegeben. Karl VI. litt an Wahnsinn, was ihn als Befehlshaber ausschloss, er nahm am Oktoberfeldzug gar nicht erst teil. Sein Sohn war keine alternative, mit neunzehn Jahren war er schon von Krankheit geschwächt und bar jeglicher militärischen Erfahrung. Die Führungsspitze übernahmen daher Charles D'Albret und Jean II. Le Maingre. Diese kampferprobten Männer konnten sich aber gegen ihre Kampfgefährten aus dem hohen Adel nicht durchsetzen. Bester Beweis hierfür ist, dass der von D'Albret und Le Maingre ausgearbeitete Schlachtplan nicht ausgeführt wurde.

Wahrscheinlicher scheint, dass die jungen Herzöge auf der Suche nach Ruhm alle Befehle ignorierten und die gesamte Schlachtordnung umstellten. Heinrich hatte seine Truppen so aufgestellt, dass die Fußtruppen das Zentrum bildeten, flankiert von den Bogenschützen, die ihrerseits durch angespitzte Pfähle gegen Reiterangriffe geschützt waren. Die Franzosen hatten ihre Truppen in drei Treffen gestaffelt. An vorderster Front standen nach Monstrelet 8.000 Söldner, Ritter und Knappen, darunter Charles D'Albret, Jean Le Maingre, die Herzöge von Orleans und Bourbon und weitere Vertreter des hohen Adels. Dazu 4.000 Bogen- und 1.500 Armbrustschützen. Die zweite Schlachtgruppe bildeten noch einmal so viele Kämpfer. Die restlichen Gewappneten bildeten die Nachhut. Die Flanken wurden von zwei je 500 Mann starken Reiterabteilungen gebildet.

Es sollten allerdings vier Stunden vergehen, bis Heinrich das Zeichen zum Vormarsch gab. Er ließ die Bogenschützen von den englischen Stellungen bei Maisoncelles weiter vorrücken, direkt zwischen Azincourt und Tramecourt, 240 bis 300 Meter vor die französische Vorhut. Hier hatte das offene Feld seine engste Stelle erreicht. Dort bauten die Bogenschützen ihre Pfähle wieder auf, was von den französischen Truppen regungslos beobachtet wurde.

Der Kampf beginnt

Die ersten Salven der etwa 8.000 Bogenschützen verdunkelten den Himmel. Die Schlacht ging in ihre heiße Phase über. Dem Pfeilangriff folgte prompt die Antwort. Zwei Reiterabteilungen von etwa 500 Mann preschten voll gerüstet, also mit etwa 30kg Panzer angetan in Richtung der Bogenschützen. Diese brauchten allerdings nichts weiter zu tun, als im richtigen Moment die Pfähle freizugeben, in die sich die Reiter verrannten. Der Sturmangriff endete in einem Desaster und die zurückweichenden Reiter wurden von erneuten Salven niedergestreckt. Wer am Boden lag oder vom Pferd gefallen war, hatte in dem verregneten Acker Mühe aufzustehen und wurde von Axt- und Hammerschlägen kampfunfähig gemacht.

Die Fußtruppen der ersten Abteilung waren bereits auf dem Vormarsch um sich den englischen Gewappneten entgegen zu werfen. Als aber die Reiter zurück kamen, überrannten sie ihre eigenen Männer. Dennoch wurde der Vormarsch nicht gestoppt. Die Franzosen, sich nun auf das Zentrum der englischen Stellung konzentrierend, teilten sich in drei Säulen auf und griffen an. Es entstand ein Handgemenge, bei dem die Engländer die Oberhand behielten. Den Bogenschützen gingen nach und nach die Pfeile aus und so gingen sie bewaffnet mit Hellebarde, Glefe und Pike zum Nahkampf über. In dieses enorme Chaos, bei dem die Engländer die Glücklicheren zu sein schienen, fiel die zweite Schlachtgruppe der Franzosen ein. Diese konnte aber der Schlacht nicht die erhoffte Wende geben. Viele französische Gewappnete verloren ihr Leben oder wurden gefangen genommen.

Am frühen Nachmittag, wir reden von einer Zeitspanne von nicht mehr als einer halben bis ganzen Stunde, war der Hauptkampf, aber nicht die Schlacht beendet. Noch immer drohte der Angriff der französischen Nachhut. Zudem wurde der kaum bewachte Tross der Engländer von einem lokalen Herrn und ein paar Bauern angegriffen, was aber in der Hitze des Gefechts nur als Angriff wahrgenommen wurde. Die Möglichkeit eines Angriffs durch die Nachhut, der durch einen kurzen und ergebnislosen Ansturm einiger Reiter immer wahrscheinlicher wurde, im Zusammenhang mit einem Ausfall im Gefangenenlager führte zu einem grausamen Befehl. Heinrich befahl alle Gefangenen zu töten. Ein Kommandant mit 200 Bogenschützen wurde auserkoren den Befehl in die Tat umzusetzen. Nur die ranghöchsten Adligen sollten verschont werden. Der gefürchtete Angriff blieb aus und Heinrich gab den Befehl die Gefangenentötung zu beenden. Keegan geht sogar davon aus, dass die Exekution eher eine psychologische Taktik als ein direkte Tötung darstellte.

Heinrich V. gewinnt die Schlacht, aber nicht den Krieg

Nach dem Abzug des französischen Restheeres traf Heinrich V. mit den Herolden zusammen, die als neutrale Beobachter anwesend waren. Dabei wurde sein Sieg verkündet und er rief aus, dass die Schlacht den Namen der nahegelegenen Burg Azincourt erhalten solle. Am 31. August 1422 starb Heinrich V. von der Ruhr geschwächt. Damit war das Kriegsglück der Engländer beendet. Nach dem französischen Sieg bei Orleans 1429 und dem sich zuspitzenden Bürgerkrieg in England gewann Frankreich nach und nach die Gebiete zurück und verdrängte England vom Festland.1453 fanden die letzten Gefechte statt und der hundertjährige Krieg ging zu Gunsten Frankreichs aus.

Mythos Azincourt

Die Schlacht von Azincourt wurde von den Briten zu einem Nationalmythos verklärt, neben der bekanntesten literarischen Bearbeitung durch William Shakespeare gab es eine Reihe von Filmen, Büchern und Liedern über den heroischen Kampf Heinrichs V. gegen die französische Übermacht. So findet jedes Jahr in Azincourt eine Nachstellung der Schlacht zwischen englischen und französischen Vereinen statt. Der große Unterschied: Nach dem Kampf findet man sich in einem riesigen Zelt ein und trinkt gemeinsam ein Bier.

Stefan Sacharjew, Björn Wechsellicht

Stefan Sacharjew - Geb.: 1981 Studium: Mittelalterliche Geschichte Instrument: Dudelsack Zitat: "Ich studiere und lebe Geschichte, was aber nicht ...

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