Die Vorgeschichte zur Schlacht von Azincourt 1415

Am 25. Oktober 1415 trafen bei Azincourt die Englischen und Französischen Heere aufeinander. Neuerungen in der Taktik machten diese Schlacht besonders.

Anno Domini 1066 besiegte das normannische Heer unter Herzog William, genannt der Eroberer, die angelsächsischen Truppen. Damit war der englische Thron im Besitz französisch- stämmiger Herrscher. 1154 bestieg Heinrich II. Plantagenet den Thron. Als Herzog der Normandie und von Aquitanien sowie Graf von Anjou gehörte er zu den mächtigsten Männern in Frankreich. Die enge Bindung des Hauses Plantagenet zum französischen Königreich sollte jedoch zu Problemen und Thronstreitigkeiten führen. 1327 wurde Eduard III. zum englischen König gekrönt. Seine Mutter Isabella von Frankreich war die Schwester des französischen Königs Karl IV., des letzten Kapetingers. Nach dessen Tod 1328 brach zwischen Eduard III und Philipp von Valois ein Streit um die Thronfolge aus. Philipp berief sich auf das salische Gesetz um seinen Anspruch als Cousin Karls zu rechtfertigen, während Eduard sein Thronrecht auf seine Mutter zurückführte. Seit Heinrich III. hatte das Haus Plantagenet einen Großteil seiner französischen Besitzungen verloren. Diese wollte Eduard wieder in der Hand der Plantagenets wissen. Mit der Besetzung der Guyenne, des letzten englischen Besitzes, durch Philipp von Valois im Jahr 1337 brach der Krieg aus, der sich bis 1453 hinziehen sollte. 1340 erklärte sich Eduard zum König von Frankreich und fiel dort ein.

Das neue Kriegswesen

Nun hatte sich in den Jahrhunderten einiges im Kriegswesen geändert. Neben neuen Waffen und Rüstungen kamen auch neue Strategien und Taktiken zum Einsatz. Die wichtigste Neuerung bestand darin, dass neben den durch ihr Lehen zum Kriegsdienst verpflichteten Rittern auch Söldnerheere zusammengestellt wurden. Das Söldnerwesen gewann seit dem 14. Jahrhundert mehr und mehr Ansehen und führte in späteren Zeiten zu stehenden Heeren. Diese professionalisierten Kämpfer waren zwar effektiv im Kampf, aber Teuer in der Anschaffung, was zur Schaffung von Steuern führte. Das Lehnswesen verlor demnach seine Bedeutung. Frankreich und England machten regen Gebrauch von Söldnertruppen während des hundertjährigen Krieges. Für England sollten vor allem die walisischen Bogenschützen zum schlachtentscheidenden Werkzeug werden. Den ersten großen Sieg erreichten diese Bogenschützen mit ihren aus Eibe hergestellten Langbögen 1346 bei Crécy. Den zweiten Sieg verdankten die Engländer ihren Bogenschützen bei Maupertuis (Poitiers) 1356. Während der Schlacht wurde der französische König Johann II. gefangen genommen und erst fünf Jahre später nach Zahlung eines sehr hohen Lösegelds in die Freiheit entlassen.

Mit dem 1360 unterzeichneten Frieden von Bretigny verzichtete Eduard III. auf seinen Thronanspruch, bekam dafür aber die bis dato eroberten Gebiete zugesprochen. Der Frieden sollte aber nur neun Jahre andauern. 1369 griffen die Franzosen unter Karl V. erneut an und eroberten die Gebiete bis 1386 zurück. Erst danach sollten die Kämpfe für eine längere Zeit ruhen. Während England sich nach dem Tod Eduards III. und dessen Sohn Eduard, Prinz von Wales, genannt der schwarze Prinz, mit inneren Unruhen auseinandersetzen mussten, konnte sich Frankreich bis zum Tod Karls V. stärken. Allerdings kippte dieser Zustand noch vor Ende des 14. Jahrhunderts. Karl VI. konnte das Werk seines Vaters nicht weiterführen. Stattdessen zog er Frankreich in einen Bürgerkrieg, der vor allem zwischen den Herzögen von Orleans und Burgund ausgefochten wurde. In England dagegen waren mit dem Haus Lancaster wieder Könige an der Macht, die Ruhe und Ordnung in das Land bringen konnten.

Heinrich V. - Der Vorabend der Schlacht

Als Heinrich V. 1413 den englischen Thron bestieg, dauerte es nur zwei Jahre den Krieg wieder ausbrechen zu lassen. England hatte durch die Regierung Heinrichs IV. wieder soviel Geld erwirtschaftet, dass ein Krieg bezahlbar war. Heinrich V. erneuerte die Ansprüche auf den französischen Thron und trat in Verhandlung mit Karl VI. um die Ländereien seiner Vorgänger wieder in englische Hände zu bekommen. Der Krieg zwischen Frankreich und Burgund war für Heinrich der Punkt, wo er seine eigenen militärischen Planungen ansetzte. Heinrichs Forderungen waren so hoch, dass die Verhandlungen schon vor Beginn zum Scheitern verurteilt waren. So forderte er neben den Gebieten die Hand von Katharina von Valois, der Tochter Karls VI., und eine Mitgift von „two million of crowns". Die Franzosen verweigerten vor allem die übertrieben hohe Mitgift. Währenddessen baute Heinrich bereits sein Heer auf. Dieses bestand zum größten Teil aus angeheuerten Bogenschützen und anderen Söldnern. Die klassische Ritterschaft stellte nur einen geringen Teil der Truppen. Außerdem hatte er einen Pakt mit Burgund geschlossen und so wurde der französische König von zwei Seiten bedroht. Im August 1415 landete Heinrich V. vor der Stadt Harfleur um von dort aus eine Operationsbasis aufzubauen. Am 22. September öffnete das geschlagene Harfleur seine Tore und Heinrich zog siegreich in die Stadt. Karl VI. konnte den Fall von Harfleur nicht aufhalten, zog aber seine Streitkräfte zusammen und suchte die Schlacht gegen Heinrich V.

Stefan Sacharjew, Björn Wechsellicht

Stefan Sacharjew - Geb.: 1981 Studium: Mittelalterliche Geschichte Instrument: Dudelsack Zitat: "Ich studiere und lebe Geschichte, was aber nicht ...

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